„Pax et Bonum“ HERZLICHST WILLKOMMEN - Fünf sind geladen, Zehn sind gekommen. Gieße Wasser zur Suppe, Heiß alle WILLKOMMEN. - *** Alles schweigt, nur die Referenzen sprechen. ***

Lyrik Gedicht


Ich lausche Istanbul

Ich lausche Istanbul, die Augen geschlossen.

Erst weht ein leichter Wind,

ganz leise bewegen sich die Blätter an den Bäumen;

weit, ganz weit in der Ferne

das unaufhörliche Klingeln der Wasserverkäufer.

Ich lausche Istanbul, die Augen geschlossen.

Ich lausche Istanbul, die Augen geschlossen.

Vögel fliegen vorbei

hoch oben, in Scharen, kreischend;

an den Fischplätzen werden die Netze eingezogen;

die Füße einer Frau berühren das Wasser.

Ich lausche Istanbul, die Augen geschlossen.

Ich lausche Istanbul, die Augen geschlossen.

Der kühle Kapali Carsi;

das lebhafte Treiben im Mahmutpasa-Viertel;

die Höfe voller Tauben.

Von den Docks kommt ein hämmerndes Geräusch;

im schönen Frühlingswind der Duft von Schweiß.

Ich lausche Istanbul, die Augen geschlossen.

Ich lausche Istanbul, die Augen geschlossen,

im Kopf den Taumel vergangener Vergnügungen,

ein Sommerhaus mit halbdunklen Bootshäusern;

das Rauschen der Südwinde legt sich.

Ich lausche Istanbul, die Augen geschlossen.

Ich lausche Istanbul, die Augen geschlossen.

Ein hübsches Mädchen geht auf dem Gehsteig vorbei,

Flüche, Lieder, Rufe tönen hinter ihr her;

etwas fällt ihr aus der Hand und auf den Boden

es muß eine Rose sein.

Ich lausche Istanbul, die Augen geschlossen.

Ich lausche Istanbul, die Augen geschlossen.

Ein Vogel flattert an Deinen Hängen.

Ich spüre, ob Deine Stirn heiß ist oder nicht,

ich spüre, ob Deine Lippen feucht sind oder nicht.

Weiß geht der Mond hinter den Nußbäumen auf –

ich merke es an Deinem Herzschlag.

Ich lausche Istanbul.

Orhan Veli Kanik

© Ahmet Aybar 2012

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